Wir arbeiten nach den Prinzipien der Permakultur !

Was ist Permakultur?

 

Permakultur ist eine Form ganzheitlicher Landwirtschaft, die ohne Chemikalien und Gentechnik auskommt, dabei erstaunlich reiche Ernten liefert und die Erde, auf der wir leben, nicht mehr ausbeutet und verseucht, sondern renaturiert und Artenvielfalt fördert. Permakultur kann auch als eine Lebensweise verstanden werden, in der es nicht um kurzfristige Gewinne, sondern um langfristige Erträge, gesunde Pflanzen und Tiere sowie gute zwischenmenschliche Beziehungen geht.

 

Permakultur / 12 Prinzipien von David Holmgren

 

1. Beobachten und interagieren

 

Sich die Ruhe und Zeit nehmen, zu beobachten, was da ist, zunächst ohne Interpretation. Muster wieder erkennen, Details und Eigenheiten schätzen. Mit dem, was uns umgibt, interagieren, mit Achtsamkeit und Kreativität. Interaktion zeigt uns neue und dynamische Aspekte unserer Umgebung und reflektiert unser Glaubenssystem und unser Verhalten. Alle unsere Sinne haben ein großes Potential, uns Informationen zu liefern. Design resultiert nicht nur aus rationalem, analytischem Denken, sondern hängt auch von unseren intuitiven und integrativen Fähigkeiten ab. Sich bewusst sein, dass wir nicht alles verstehen oder kontrollieren können.

 

2. Energie auffangen und speichern

 

Energie wandert durch unser natürliches System, die Erde, und wird in verschiedenen Formen gespeichert: in Wasser, in Bäumen, in Pflanzen, im Boden, in Samen und so weiter. Wir können dazu beitragen, dass sich die natürlichen Ressourcen wieder aufbauen, wir können achtsam mit erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Energie umgehen.

 

Wir brauchen ein neues, bzw. altes Verständnis von dem, was Kapital bedeutet (es ist nicht das, was wir auf der Bank haben, sondern die natürlichen Ressourcen, die uns umgeben; und auch Wissen, Informationen, Fähigkeiten, Traditionen, etc sind Kapital).

 

3.Ernten

 

Alle Organismen und Lebewesen werden von ihrer Umgebung versorgt, um zu leben, angemessen an dem, was diese braucht, um sich zu erhalten. Jede unserer Einmischungen in ein System, Veränderungen, die wir machen, neue Elemente, die wir hinzufügen, etc., sollten produktiv sein und nicht nur uns dienen, sondern auch anderen Elementen des Systems, also in dem Kreislauf eingegliedert sein.

 

4. Selbstregulation integrieren und Feedback akzeptieren

 

Ein gutes Design sollte Selbstregulation des Systems ermöglichen, ein Minimum an Eingreifen und Pflege sollte nötig sein.

 

Der Permakultur geht es darum, Individuen, Lebensgemeinschaften und lokale Kommunen zu mehr Autarkie und Selbstregulation zu befähigen. Je mehr wir von unseren eigenen und lokalen Ressourcen abhängig sind, desto eher nehmen wir Feedback wahr, erkennen Probleme und können flexibel reagieren.

 

5. Erneuerbare Energien und Dienstleistungen wertschätzen und verwenden

 

Erneuerbare Energien sind die Energien, die innerhalb einer angemessenen Zeitspanne durch natürliche Prozesse erneuert oder ersetzt werden. Erneuerbare Dienstleistungen (oder auch passive Funktionen) sind Services, die wir von Pflanzen, Tieren, lebendigen Boden oder Wasser bekommen, ohne dass sie konsumiert werden.

 

Wir können darauf achten, erneuerbare Energien möglichst effizient zu nutzen sowie immer innerhalb des erneuerbaren Limits.

 

6. Keinen Abfall produzieren

 

Bill Mollison definiert jedes Produkt eines Elementes in einem System, das nicht produktiv von einer anderen Komponente des Systems genutzt wird, als Abfall/ Verschmutzung. In natürlichen Ökosystemen gibt es keinen Abfall, das Konzept ‚Abfall’ spiegelt im Wesentlichen ein schlechtes Design wieder. Wir müssen lernen, wieder zyklisch anstatt linear zu denken.

 

Die ‚5Rs’ geben uns eine Richtlinie, wie wir das Problem ‚Abfall’ angehen können: „refuse, reduce, reuse, repair and recycle“, und zwar vorzugsweise genau in dieser Reihenfolge.

 

Die ersten sechs Prinzipien sehen Systeme eher aus einer ‚bottom-up’-Perspektive, von unten nach oben, also von einzelnen Elementen, Organismen und Individuen aus. Die zweiten sechs Prinzipien betonen eher die ‚top-down’-Perspektive, von oben nach unten, betrachten also eher die Muster und Beziehungen, die aus Selbstorganisation und Ko-evolution entstehen.

 

7. Design von Mustern hin zu Details

 

Funktionierende komplexe Systeme tendieren dazu, sich aus funktionierenden einfachen Systemen zu entwickeln. Ein angemessenes Design für eben diese zu finden ist demnach wichtiger, als alle einzelne Elemente des Systems zu verstehen.

 

Unser Handeln und unsere Arbeit in den größeren Kontext zu stellen (regionale Ökonomie, Muster der natürlichen Ressourcen wie z.B. Wasser, etc.), macht uns bewusst, dass wir in Systeme eingebunden sind und hilft uns, Wirkung und Auswirkungen unseres Daseins zu verstehen.

 

8. Integrieren anstatt separieren

 

In der Natur, angefangen vom Innenleben kleinster Organismen bis hin zu ganzen Ökosystemen, sind die Verbindungen/Beziehungen zwischen den Elementen genauso wichtig wie die Elemente selber.

 

In einer Welt von zurückgehenden Ressourcen und verfügbarer Energie ist es wichtig, zwischen den einzelnen Elementen lokaler Kommunen qualitative Beziehungen und Kooperation aufzubauen.

 

Oft, wenn Leute versuchen, in einem Bereich einer nachhaltigen Alternative voranzukommen, wird der potentielle Wert dadurch geschmälert, dass nicht mit dem ‚Mainstream’ kommuniziert wird und keine Wege gesucht werden, Vorhandenes zu integrieren. Eine integrierende Herangehensweise ist essentiell, wenn wir eine kraftvolle Alternative kreieren wollen. Der Weg liegt eher in integrierten, holistischen Ansätzen als in fortschreitender Spezialisierung und Abschottung.

 

9. Kleine und langsame Lösungen

 

Systeme sollten so angelegt werden, dass Funktionen auf dem kleinsten Level ausgeübt werden, das praktisch und energetisch Sinn macht. Vermindern wir Geschwindigkeit und Mobilität, erhöht sich die Energie, die dem System direkt zur Verfügung steht, und damit erhöht sich seine Autarkie und Anpassungsfähigkeit.

 

Systeme, die ohne hohen Energie- und Technologieaufwand gut funktionieren, sind:

 

Klein, einfach anzuwenden und instand zu halten, eher arbeitsintensiv als kapital- und energieintensiv, verwenden lokale Ressourcen und unterstützen die lokale Ökonomie.

 

10. Vielfalt

 

Die Rolle und der Wert von Vielfalt in der Natur, in Kultur und in Permakultur sind komplex, dynamisch und manchmal anscheinend widersprüchlich. Vielfalt ist ein Ergebnis aus dem Gleichgewicht und der Spannung in der Natur zwischen der Artenvielfalt und den Möglichkeiten auf der einen Seite sowie der Produktivität und Stärke auf der anderen.

 

Bill Mollison betont, dass eher die Anzahl von nützlichen Verbindungen zwischen den einzelnen Arten zur Stabilität eines Systems beiträgt, als die bloße Anzahl der Arten.

 

Monokulturen sind sehr instabil und anfällig für Krankheiten, vielfältige Systeme haben eine viel größere Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit. Für unsere Kommunen und Städte bedeutet das in einer Zeit von zurückgehenden Energieressourcen: Vielfalt von kleinen Unternehmen, lokale Währung, lokale Nahrungsversorgung, lokale Energieversorgung, etc.

 

11. Randzonen schätzen und nutzen

 

Da, wo zwei Ökosysteme aufeinander treffen und ineinander übergehen, entsteht mehr Leben, Vielfalt und Produktivität als in den einzelnen Ökosystemen selber, es ist eine interessante Schnittstelle mit hohem Potential. Wir können Randzonen schätzen, akzeptieren und fördern. Kulturell gesehen kommen viele innovative Neuerungen gerade von Menschen außerhalb des Mainstreams.

 

12. Auf Veränderung kreativ reagieren und sie nutzen

 

In der Permakultur geht es um Beständigkeit in lebendigen Systemen, die paradoxerweise sehr von Flexibilität und Wandel abhängt. Natürliche Systeme sind konstant in Bewegung, in Entwicklung, im Wachsen, in der Veränderung. Wir können viel lernen, wenn wir die Muster natürlicher Systeme erforschen und verstehen, was das für Systeme bedeutet, die von Menschen designed und in Stand gehalten werden.

 

Die Veränderungen um uns herum zu beobachten und offen für Neues zu sein, wird uns helfen, den Übergang weg von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen positiv zu gestalten.

 

Permakultur ist ein dynamischer Prozess: auf der einen Seite ist das nachhaltige Leben, innerhalb der Zyklen und Jahreszeiten, auf der anderen Seite haben wir Konzepte, Kreativität und Design. Es ist eine pulsierende Beziehung zwischen Stabilität und Veränderung.

 

Zusammenfassung aus ‘Permaculture, Principles & Pathways beyond Sustainability’ von David Holmgren, Holmgren Design Services, 2002; Übersetzung: Stefa Roth